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Die Funkschau titelt: „Made in Germany. Deutsche Rechenzentren im Aufschwung“

Warum Deutschland gerade so hoch im Kurs steht und unser Land der optimale Rechenzentrumsstandort ist, erfahren Sie nachfolgend in unserem Leitartikel.

“Made in Germany“ steht nach wie vor hoch im Kurs und weltweit weiß man die „deutsche Gründlichkeit“ zu schätzen. Während in der klassischen IT zunehmend auf Massenproduktion in Fernost gesetzt werden muss um konkurrenzfähig zu sein, verhält es sich mit IT-Dienstleistungen ganz anders.

Rechenzentren in Deutschland haben Hochkonjunktur und die Betreiber sind vielmehr daran interessiert, höchste Leistungen anstatt nur niedrige Preise zu bieten. Das hat seinen guten Grund. Rechenzentren sind hochkomplexe Gebilde, auf die sich Unternehmen absolut verlassen können müssen. Und genau da schickt sich Deutschland nicht nur mit seiner Akribie, sondern auch mit seinen Standortvorteilen sowie seinen klaren Richtlinien und Zertifizierungen an, das beste Rechenzentrumsland weltweit zu sein. Mit Erfolg, denn seit geraumer Zeit gehört Deutschland nicht nur für Rechenzentrumsbetreiber, sondern auch weltweit für Unternehmen, die diese Dienstleistungen in Anspruch nehmen, zu den bevorzugten Standorten. Dabei spielen Kosten, technologische Brillanz, regionale Vorteile und Compliance wesentliche Rollen. Beispielsweise gehört Deutschland zu den Vorreitern in Sachen Senkung des Energieverbrauchs und des CO2-Ausstoßes. Auch gehört Deutschland zu den visionärsten Regionen der Welt, wenn es darum geht, existierende oder neue Technologien so zu verwenden, dass sie den besten Nutzen bringen. Deutschland verfügt zudem über weltweit  wichtige Knotenpunkte im Internetverkehr. Und nicht zuletzt hat Deutschland eine rechtsstaatliche Verfassung, die es sowohl privaten als auch unternehmerischen Nutzern von Rechenzentren erlaubt, ihre Daten sicher und ohne unkontrollierten Zugriff zu speichern.

Deutschland ist Rechenzentrumsland

Führende Branchenbeobachter bestätigen, dass Deutschland einer der besten Standorte für Rechenzentren ist. So bestätigt beispielsweise das Borderstep-Institut, dass im Jahr 2014 die Investitionen für den Neubau und die Modernisierung von Rechenzentrumsinfrastrukturen um sieben Prozent auf etwa 800 Millionen Euro gestiegen sind. Damit konnte der Rechenzentrumsstandort Deutschland seine führende Position in Europa festigen.

Rechtssicherheit EU und Deutschland

Für viele Unternehmen steht mittlerweile die Rechtslage von ausgelagerten IT-Komponenten und -Dienstleistungen stark im Vordergrund. Der Verlust von Daten kann heute nicht nur zu einem Stillstand des Unternehmens führen, sondern auch zu massiven Imageverlusten oder sehr hohen Strafen – je nach Fall. Ein Unternehmen, das mit vielen sensitiven Daten zu tun hat – was eigentlich in jedem Unternehmen der Fall ist – ist also gut beraten, seine IT in Rechenzentren zu betreiben, die einerseits höchste Standards an die Technologie stellen aber auch insbesondere den weltweit wohl strengsten Gesetzen folgen. Rechenzentren in Deutschland bieten ihren Kunden die Möglichkeit, das EU-Datenschutzgesetz ebenso einzuhalten wie das deutsche IT-Sicherheitsgesetz. Die Kombination dieser beiden Rechtsvorschriften dürfte weltweit wohl eine der strengsten sein, wodurch Kunden eine extrem hohe Sicherheit genießen.

Ein weiterer Vorteil von deutschen Rechenzentrumsbetreibern hinsichtlich der Sicherheit ist, dass sie keinerlei staatlicher Kontrollen unterliegen. Während Dienste-anbieter beispielsweise mit Hauptsitz in den USA aufgrund des Patriot Acts verpflichtet sind, Kundendaten auf Antrag von US-Behörden zur Verfügung zu stellen, sind deutsche Anbieter vor solchen fragwürdigen Regeln geschützt. Zwar haben diverse namhafte US-Unternehmen versichert, dass Daten, die auf Cloud-Angeboten gehostet sind, den Regeln der EU-Staaten entsprechen, doch ein jüngstes Urteil des United States District Court, Southern District of New York, stellte fest: Durchsuchungsbefehle geben amerikanischen Behörden das Recht, von einem US-Cloud-Service-Provider die Herausgabe von Daten zu verlangen, die Privatpersonen oder Unternehmen bei ihm gespeichert haben. Das gilt unabhängig davon, wo sich diese Daten befinden. Dieses Urteil hat weitreichende Konsequenzen. Konnten sich Kunden früher einigermaßen sicher sein, dass ihre Daten in einem in Deutschland befindlichen Rechenzentrum den deutschen Gesetzesvorschriften entsprechen, ist dies nun nicht mehr der Fall, solange es sich nicht um einen deutschen Provider handelt. Jedes Unternehmen sollte sich also gut überlegen, welchem Service-Provider es geschäftskritische Daten anvertraut.

Standortsicherheit

Nicht nur infrastrukturell sondern auch geologisch und klimatisch bietet Deutschland beste Voraussetzungen für den Betrieb von Rechenzentren. Gemessen an der Fläche des Landes zählt Deutschland zu den am besten vernetzten Regionen weltweit. Betreiber und Kunden haben also immer die Gewissheit, dass eine hochleistungsfähige Infrastruktur zur Verfügung steht – ganz gleich an welchem Ort in Deutschland sich das Rechenzentrum befindet. Dazu zählt insbesondere die Vernetzung, also die hervorragende Anbindung der Rechenzentren an das Internet als auch die gesicherte Versorgung mit Strom. Zudem bietet der Standort Deutschland für Kunden, die regelmäßig im Rechenzentrum vor Ort sein müssen, ausgezeichnete Verkehrswege, um dieses zu erreichen. Was nützt ein vielleicht gut ausgerüstetes Rechenzentrum, wenn es über nicht redundante Stromnetze oder Carrier-Anbindungen verfügt oder für Kunden kaum erreichbar ist.

Aus geologischer und klimatischer Sicht kann Deutschland auch punkten. Die durchschnittlichen Temperaturen erlauben unter Einsatz von modernen Technologien eine Zukühlung von maximal 20 Prozent. Sehr moderne und neue Rechenzentren unterschreiten diesen Wert sogar deutlich. Auch aus geologischer Sicht ist dieser Standort prädestiniert für jegliche Form von kritischen Infrastrukturen. Im Vergleich zu vielen anderen Ländern ist in Deutschland mit einem sehr geringen Risiko zu rechnen – es gibt keine wesentlichen Erdverwerfungen, Vulkane, Stürme, Tsunamis öder ähnliche Katastrophen, von denen man weiß, dass sie jederzeit oder gar regelmäßig stattfinden.

Zertifizierungen mit Garantie

Die deutsche „Gründlichkeit“ führte in der Vergangenheit zu einer Vielzahl an Zertifizierungen. Es dürfte wohl in kaum einem anderen Land derart viele Klassifizierungen und Zertifizierungen geben wie in Deutschland und das ist gut so. Denn durch die strengen Zertifizierungen haben Kunden die Gewissheit, dass die Leistungen und Versprechen der Rechenzentrumsbetreiber eingehalten werden. Fast alle Zertifizierungen werden in regelmäßigen Abständen von den jeweiligen Institutionen genauestens überprüft und sollte ein Rechenzentrumsdienstleister eine Zertifizierung nicht einhalten, hat er ein Problem, ganz zu schweigen vom Imageverlust und der Konkurrenzfähigkeit. Zu den wichtigsten Auszeichnungen und Zertifizierungen gehören neben der Einhaltung des deutschen Datenschutzgesetzes und dem IT-Grundschutz die TÜV-Zertifizierung sowie spezielle für IT-Dienstleister geschaffene Auszeichnungen von BSI, ITIL BaFin, ISO DIN sowie das brancheneigene ECO Star Audit. Darüber hinaus erfüllen viele Rechenzentren spezielle Anforderungen wie beispielsweise von HIPPA oder PCI DSS.

Energiefresser

Rechenzentren sind Energiefresser. Wo viel Leistung heraus kommen soll, muss auch einiges an Energie zugeführt werden, das ist keine neue Weisheit. Doch die deutschen Rechenzentrumsbetreiber stehen vor einer besonderen Herausforderung: in Deutschland ist Energie vergleichsweise teuer und damit die Betreiber im internationalen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben, sind RZ-Planer gezwungen, innovative und neue Technologien zu nutzen. Europaweit sind EEG-Zulagen mit dem Strom zu bezahlen. Hinzu kommen Steuern und weitere Abgaben, die im Strompreis einberechnet sind. In Deutschland besteht seit 2013 rund die Hälfte des Strompreises aus Steuern und Abgaben. Den größten Posten nimmt dabei die EEG-Umlage ein. Die Umlage kostete Rechenzentrumsbetreiber 3,59 Cent/kWh im Jahr 2012, 5,28 Cent/kWh im Jahr 2013, 6,24 Cent/kWh im Jahr 2014 und 6,17 Cent/kWh im Jahr 2015. Im europäischen Vergleich bezahlt ein Rechenzentrumsbetreiber in Frankreich rund 7 Cent pro Kilowatt, in Holland oder England rund 9 Cent pro Kilowatt, in Deutschland hingegen sind es rund 14 Cent. Bei den großen Abnahmemengen an Strom für Rechenzentren summieren sich deutlich höhere Kosten, die auf die Kunden umgelegt werden müssen. Strom sparen ist in Deutschland also oberste Devise und man kann davon ausgehen, dass moderne Rechenzentren in Deutschland, wie beispielsweise bei ODN in Fürth, sehr niedrige PUE-Werte aufweisen.

Die Power-Usage-Effectiveness (PUE) setzt die insgesamt im Rechenzentrum verbrauchte Energie ins Verhältnis mit der Energieaufnahme der IT-Komponenten. Ein Verhältnis nahe der Zahl 1 bedeutet eine besonders hohe Effizienz. Effiziente Rechenzentren erreichen heute eine PUE von 1,2. Dies bedeutet, dass nur rund 20 Prozent der Energie zusätzlich, beispielsweise durch die Kühlung und sonstige Zusatzaggregate, verbraucht werden.

Weltweit liegen viele Rechenzentren noch bei einem Wert von 1,8 oder darüber. Bei niedrigen Strompreisen mag das für Kunden kurzfristig rentabel sein. Langfristig steigen jedoch weltweit alle Strompreise. Veraltete Rechenzentren haben dann kaum noch eine Chance, die Kosten in einem erträglichen Rahmen zu halten und konkurrenzfähig zu bleiben.

Wer jedoch die neue DIN EN ISO 50001, die voraussichtlich europaweit verpflichtend wird, erfüllen möchte, muss noch eine Schippe drauf legen. Es wird ein jahresdurchschnittlicher PUE-Wert von 1,2  angestrebt. Moderne deutsche Rechenzentren erreichen diesen Wert bereits heute.

Moderne Infrastruktur

Der Stromverbrauch lässt sich nur bedingt durch die gezielte Wahl an IT-Komponenten senken, da die Hersteller von IT-Systemen wenig Fokus darauf legen. Zusätzliche Trends wie die Virtualisierung oder Cloud-Anwendungen fördern sogar die Hitzeentwicklung in Rechenzentren, da die IT-Komponenten möglichst hochgradig ausgenutzt werden, um Hardwarekosten einzusparen. Eine höhere Auslastung bedeutet jedoch mehr Stromverbrauch und dadurch mehr Hitzeentwicklung, die zusätzliche Kühlung erfordert. Genau dies ist der Grund, weshalb moderne Rechenzentren in Deutschland auf die effiziente Kühlung setzen. Hier können trotz sehr hoher Auslastung der IT-Komponenten rund die Hälfte der Energiekosten eingespart werden, was nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Umwelt schont. Eine gute Energieeffizienz kann beispielsweise durch direkte Freiluftkühlung erreicht werden. Das Prinzip der direkten Freikühlung in Verbindung mit einer Warmgangeinhausung basiert auf einer besonderen Architektur, wobei das Aufstellen von Servern in Racks Rücken an Rücken erfolgt und eine räumliche Abtrennung der warmen Gänge gewährleistet ist. Dadurch wird der energieaufwändige „Luftkurzschluss“ verhindert. In Verbindung mit einer Freiluftkühlung lässt sich der Energieaufwand für die Kühlung noch weiter senken. Die Freiluftkühlung nutzt die warme Luft und deren Energie, um kühlere Luft für die Kühlung der IT-Komponenten ohne jeglichen Stromverbrauch zur Verfügung zu stellen. Diese Methode ist insbesondere in gemäßigten Klimazonen, wie beispielsweise in Deutschland, sehr effektiv und kann die Energieeffizienz in Rechenzentren maßgeblich verbessern

Fazit: Planbare Kosten und Sicherheit aus Deutschland

Die Anforderungen der Kunden an Rechenzentrumsbetreiber sind vielfältig: angefangen von Kosten oder technischen Leistungswerten über die Sicherheit bis hin zu Zugangskontrollen oder Lage des Rechenzentrums. Daher wird jedes Unternehmen für sich entscheiden müssen, welches Rechenzentrum am besten zu den individuellen Bedürfnissen passt. Unumstritten ist aber, dass deutsche Rechenzentren mit die weltweit höchsten Standards setzen und quasi jede Anforderung zu global konkurrenzfähigen Kosten bei gleichzeitig höchsten technologischen Standards bieten. Daher sind deutsche Rechenzentrumsbetreiber auch zu einem hohen Grad ausgelastet, was in Folge zu noch moderneren und effizienteren Rechenzentren führt.

Quelle:
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